15.06.2016

Örtliche Betäubung oder Vollnarkose – was wir unseren Patienten raten 

Ein kleines Nickerchen halten und frisch erholt mit strahlenden Zähnen wieder aufwachen! Davon träumt wohl mancher Patient vor seinem Zahnarzttermin – vor allem, wenn eine vermeintlich schmerzhafte Behandlung auf der Tagesordnung steht. Dieser Traum wird bei uns nicht zur Wirklichkeit, denn wir bieten keine Vollnarkosen an. Und dafür haben wir gute Gründe. Nicht erst seit dem tragischen Todesfall eines 18-jährigen Angstpatienten in einer Hamburger Praxis Ende Mai 2016 warnen Mediziner vor dem leichtfertigen Umgang mit der Vollnarkose. Selbst wenn alle hohen Anforderungen an Raum- und Gerätestandards erfüllt sind und ein Anästhesist samt qualifizierter Assistenz die Narkose ein- und ausleitet, kann es zu Zwischenfällen kommen. Zum Beispiel, weil der Patient an Vorerkrankungen leidet, von denen er – wie im Hamburger Fall – noch gar nichts wusste.

Statt auf die zur Zeit fast „in Mode“ geratene Vollnarkose setzen wir deshalb auf die modernsten Methoden der Lokalanästhesie. Sie sind schonend und wirken schnell, haben sich vielfach bewährt, nehmen dem Patienten wirkungsvoll den Schmerz und geben uns als Ärzten die Möglichkeit, auch während der Behandlung mit unseren Patienten zu kommunizieren – und umgekehrt. Wie die örtliche Betäubung wirkt und welche verschiedenen Arten der lokalen Anästhesie es gibt, möchten wir Ihnen hier kurz erläutern:

Lokal betäubt werden können Zähne, Zahnfleisch, Lippen, Zunge, Wangen, Mundboden und Bereiche des Kiefers.   Das Betäubungsmittel blockiert die Weiterleitung von Schmerz- und anderen Reizen in die Nerven. Während der Behandlung spüren Sie also – nichts. Die Wirkzeit der örtlichen Betäubung hängt vom Medikament und der Art der Verabreichung ab. Aufgrund unserer langen Erfahrung und Expertise wählen wir die Betäubung so, dass sie für die gesamte Behandlungsdauer sicher ausreicht. Sie müssen nicht befürchten, plötzlich von einem stechenden Schmerz überrascht zu werden! Nach der Behandlung klingt die Betäubung langsam wieder ab. Während es zwischen drei und zehn Minuten dauert, bis die Betäubung wirkt, dauert es eine halbe bis drei Stunden, bis sie wieder vollständig abgeklungen ist. Zuerst kehrt das Gefühl in den Zähnen und dem Kiefer zurück, dann in den Lippen, den Wangen und der Zunge.

Je nach geplanter Behandlung können verschiedene Techniken der Anästhesie eingesetzt werden: Bei der Infiltrationsanästhesie können einzelne Zähne, der umgebende Knochen und das bedeckende Weichgewebe, kleinere Areale der Mundschleimhaut oder die Gesichtshaut betäubt werden. Das Betäubungsmittel wird unter die Schleimhaut oder in der Nähe der Wurzelspitze gespritzt. Das Medikament dringt in den Knochen und das umgebende Gewebe ein und betäubt die Nervenenden. Diese Methode wird überwiegend im Oberkiefer angewandt, da dieser eine relativ lockere Knochenstruktur aufweist. Im Unterkiefer wird dagegen meist die Leitungsanästhesie angewendet. Das Betäubungsmittel wird möglichst nah am Nervenstamm eingebracht und damit das ganze Versorgungsgebiet dieser Nerven betäubt.

Bei der intraligamentären Anästhesie wird das Betäubungsmittel direkt an die Wurzel des betroffenen Zahnes in den Zahnhalteapparat eingebracht. Von dort breitet es sich im Knochen bis zur Wurzelspitze aus. Es betäubt nur diesen Zahn und nicht das umgebende Weichgewebe. Zusätzlich lässt sich durch Spüllösungen, Sprays oder Salben die Mundschleimhaut betäuben. Man spricht hierbei von Oberflächenanästhesie. Sie wird eingesetzt, um den Injektionsschmerz zu vermindern, und hilft gegen den Würgereiz beim Röntgen, bei Abformungen, bei der Behandlung von Mundschleimhautverletzungen und bei kleinen Behandlungen am Zahnfleisch.

Besonders ängstlichen Patienten bieten wir zusätzliche Hilfe an, zum Beispiel in Form von beruhigenden oder angstlösenden Medikamenten, die erfahrungsgemäß sehr gut wirken. Denn auch Angst sollte für Patienten kein Grund sein, die Risiken einer Vollnarkose in Kauf zu nehmen. Wer Flugangst hat, ruft am Schalter des Ferienfliegers ja auch nicht nach dem Anästhesisten …